Universitäten veröffentlichen zunehmend die Gehälter ihrer Absolventen um Studenten zu werben. Doch sollten Studenten in Zeiten der Krise dem großen Geld folgen oder ihrer Leidenschaft?

Mediziner sind Spitze. Zumindest beim Gehalt. Durchschnittlich 47.869 Euro verdient ein Diplom-Mediziner beim Berufseinstieg. Ingenieure und Wirtschaftswissenschaftler liegen knapp dahinter mit 45.297 und 41.914 Euro. Am schlechtesten verdient wird hingegen bei der öffentlichen Hand und in den Medien. Für hunderttausende Abiturienten stellt sich daher jedes Jahr aufs neue die Frage, bei der Studienwahl den eigenen Interessen oder der Aussicht auf Jobsicherheit und ein gutes Gehalt zu folgen. Die BWL gilt dabei als Hafen für gehaltsbewusste Studienanfänger. Insbesondere private Wirtschaftshochschulen werben daher mit dem durchschnittlichen Gehalt ihrer Absolventen. Unser Freund Julian portraitierte in der ZEIT beispielsweise die London School of Economics als „Universität für Gehaltsmaximierer“. Berufsanfänger mit einem Master in Statistik verdienen durchschnittlich ein traumhaftes Einstiegsgehalt von mehr als 70.000 Euro, Absolventen des Studiengangs für Gender Studies immerhin noch 35.000 Euro. Für viele Studenten ein wichtiges Argument bei knapp 30.000 Pfund Gebühren für ein dreijähriges Studium. In Deutschland verkaufen sich insbesondere die privaten Platzhirsche, die WHU in Koblenz und die European Business School im hessischen Oestrich-Winkel mit Einstiegsgehältern über 50.000 Euro. Auch öffentliche Hochschulen verfolgen zunehmend die Gehaltsentwicklung ihrer Alumni. Insbesondere in internationalen Vergleichen ist sie häufig ein wichtiges Kriterium für die Beurteilung der Qualität der Ausbildung. In das renommierte Ranking der britischen Financial Times etwa fließt es mit einer Gewichtung von 25% ein.

Letztlich stellt sich aber für jeden Studenten die Frage nach dem Wert einer Ausbildung, die vor allem ein hohes Einkommen schafft. So argumentieren US-Volkswirte, dass Glück schon ab einem Jahreseinkommen von 50.000 Dollar (aktuell etwa 39.000 Euro) nicht länger mit Geld korreliert ist. Auch Motivationstheoretiker werden nicht müde, den positiven Effekt zu unterstreichen, den ein mit Leidenschaft ausgeübter Job auf die eigene Leistung hat. Setzen Universitäten und die Wirtschaft mit der Vermarktung hoher Einstiegsgehälter also ein falsches Signal? Wir sagen: Jein. Die Veröffentlichung von Absolventengehältern privater Hochschulen hilft vielen vor allem ihren Return on Investment zu bestimmen. Wer fünfstellige Summen in seine Ausbildung investiert und dies häufig mit Studienkrediten oder ähnlichem unterstützt, hat natürlicherweise ein Interesse daran möglichst schnell schuldenfrei zu sein. Das Einstiegsgehalt stellt daher zurecht ein entscheidendes Kriterium bei der Studienplatzwahl dar.

Auf der anderen Seite schaffen sich die Universitäten somit verstärkt ein Problem in der Forschung. Wer Einstiegsehälter veröffentlich schafft Marktorientierung, und beeinflusst die Bewerberzahlen. Der Anreiz einen Studiengang zu wählen, der ein hohes Gehalt verspricht nimmt zu, die Motivation sich seiner Leidenschaft auch im Rahmen einer späteren Forschungskarriere zu widmen nimmt ab. Klassische Universitätskarrieren werden daher weniger, Professoren sind verstärkt ehemalige Praktiker, die aus der Wirtschaft ein ausreichendes Einkommen mitbringen. Außerdem schaffen sich insbesondere die Wirtschaftswissenschaften eine zunehmend uniforme Studentenschaft. Frei nach dem Motto „Wer nichts wird, wird Betriebswirt“, schielen viele Abiturienten auf Grund mangelnder Ideen auf die BWL, da sie ein sicheres Einkommen verspricht. Die Motivation sich intensiv mit der Thematik auseinanderzusetzen sinkt aber beachtlich. In manchen Vorlesungen fragt man sich daher, ob sie generell nur von sehr schüchternen Studenten besucht werden oder ob einfach allgemeines Desinteresse herrscht.

Innerhalb der Redaktion sind wir zur Frage nach der Gehaltsorientierung ein wenig gespalten gewesen. Wir alle sind Ingenieure oder Wirtschaftswissenschaftler, die auf gut bezahlte Jobs hoffen. Letztlich waren wir uns aber einig, dass im „War for Talents“ Unternehmen immer die Besten suchen, aus egal welcher Fachrichtung. Zu den Besten zu gehören schafft man nur, wenn man etwas tut, was man liebt. Bei der Wahl des Studienplatzes auf sein späteres Einstiegsgehalt zu schauen ist daher zu kurzsichtig. Nur wer nach 25 Jahren immer noch gerne zur Arbeit geht wird Karriere machen, denn Geld ist immer vor allem ein Resultat von Motivation und Leistung. Universitäten und die Wirtschaft sollten also vor allem darauf setzen Studenten und Absolventen zu finden, die ihr volles Potential abrufen können und wollen. Um als Student erfolgreich zu sein, gilt es daher seine Bestimmung im Studium zu finden. Wer dieses Ziel erreicht hat, für den ist Geld nur ein nettes Nebenprodukt und vor allem in egal welchem Job, nur eine Frage der Zeit.

Autor: Paul Quick